Radioaktivität nach StromausfallSüdafrika meldet mehrere Strahlungsvorfälle im AKW Koeberg

Die südafrikanische Energieversorgung ist fragil. Die Regierung möchte unter anderem mit zusätzlicher Kernenergie für Stabilität sorgen. Zunächst muss sie jedoch gleich drei Vorfälle im AKW Koeberg einräumen: Mehrere Mitarbeiter sind radioaktiven Strahlen ausgesetzt.
In Südafrika hat die Regierung mehrere Strahlungszwischenfälle eingeräumt und sich zugleich dem weiteren Bau zusätzlicher Kernkraftkapazitäten verschrieben. Im Kernkraftwerk Koeberg ereigneten sich Anfang dieses Monats und Ende Juni mehrere Vorfälle, die zu einer erhöhten radioaktiven Belastung der Luft führten. Unter anderem waren etwa bei Wartungsarbeiten in dem Kernkraftwerk mehrere Mitarbeiter radioaktiver Strahlung ausgesetzt.
Das Kernkraftwerk Koeberg befindet sich rund 40 Kilometer von der südafrikanischen Metropole Kapstadt entfernt an der Atlantikküste. Die Vorfälle ereigneten sich den Angaben zufolge am 30. Juni sowie am 2. und 7. Juli. Laut dem südafrikanischen Energieminister Kgosientsho Ramokgopa wurden sie vollständig eingedämmt. Es sei keine radioaktive Strahlung in die Umwelt gelangt, sagt er am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Es habe keine Gefahr für die Öffentlichkeit bestanden. Die Vorfälle seien nicht als meldepflichtige Ereignisse im Bereich der nuklearen Sicherheit einzustufen. Die Strahlenbelastung in Koeberg sei nicht stärker als die Strahlenbelastung im Alltag gewesen.
Der Leiter der Abteilung für Nuklearsicherheit des nationalen Stromversorgers Eskom, Velaphi Ntuli, erklärte, die Vorfälle hätten sich auf zwei Reaktoren beschränkt. Für die umliegenden Gemeinden habe zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden. Auch die Arbeiter seien nur geringen Strahlungswerten ausgesetzt gewesen. Die Belastung sei geringer gewesen als bei einer zahnärztlichen Röntgenaufnahme.
Auslöser der Vorfälle war nach Angaben von Energieminister Ramokgopa ein vorübergehender Stromausfall. Dieser habe die Lüftungsanlagen des Kernkraftwerks beeinträchtigt. "Wir setzen das Kernkraftwerksbauprogramm fort und freuen uns auf weitere 20 Jahre Stromerzeugung aus den beiden Kernkraftwerksblöcken in Koeberg", sagte der Minister.
Koeberg wurde 1984 in Betrieb genommen und ist bis heute das einzige Kernkraftwerk Afrikas. Es besteht aus zwei mit Uran betriebenen Druckwasserreaktoren, die jeweils über eine Leitung von 900 Megawatt verfügen. Im Dezember 2005 wurde beim Anfahren des Reaktors nach Wartungsarbeiten und dem Austausch von Brennelementen der Generator des ersten Blocks schwer beschädigt. Infolgedessen kam es im Jahr darauf immer wieder zu Versorgungsengpässen in Südafrika.
In Südafrika gab es in den vergangenen Jahren wiederholt lange und schwere Stromausfälle. Viele Unternehmen, aber auch Privathaushalte, nehmen ihre Energieversorgung deshalb in die eigenen Hände und installieren bevorzugt Solaranlagen. Der Anteil von Eskom an der südafrikanischen Stromerzeugung sank einer Bloomberg-Analyse zufolge von knapp 96 Prozent im Jahr 2014 auf weniger als 85 Prozent im vergangenen Jahr.
Laut der südafrikanischen Regierung soll aber auch Kernenergie Baustein einer "verlässlichen Energieversorgung" bleiben. Sie will bis 2039 zusätzliche Kernkraftkapazitäten in Höhe von 5,2 Gigawatt schaffen, auch wenn es innerhalb der südafrikanischen Öffentlichkeit Bedenken gibt. Derzeit ist Südafrikas Stromversorgung stark von Kohle abhängig. Langfristiges Ziel der Regierung ist es, bis 2050 die Stromerzeugung größtenteils ohne fossile Brennstoffe leisten zu können.